Kinderräume gestalten

 

 

Auf der ECDA-Tagung in Würzburg gab Angelika von der Beek wertvolle Hinweise für das kindgerechte Gestalten. Die richtige Farb- und Materialauswahl hat einen wesentlichen Einfluss auf das kindliche Wohlbefinden.

Carola Neydenbock

Jedes Kind ist aktiv und neugierig und hat das Recht auf eine ästhetisch befriedigende Architektur“, sagt Angelika von der Beek. Sie begründet ihre Gestaltung aus Beobachtungen der Aktivitäten der Kinder und ihrer Auseinandersetzung mit der Raumgestaltungssprache. Da alle Sinne an den Bildungsprozessen der Kinder beteiligt sind, sollten die Mittel, mit denen Räume gestaltet werden, also Licht, Farbe, Akustik und Materialqualitäten, die Kinder anregen und sie nicht beeinträchtigen. Mithilfe ihrer Material- und Farbauswahl bringt von der Beek die Wände zum „Sprechen“.

 

Gestaltung

Aus Angst, als Gestalter etwas falsch zu machen, sind in Kitas die Wände in Weiß oder einem neutralen Beige gestrichen. Oder jeder Raum ist in einer individuellen Farbe (Rot, Blau, Gelb) gehalten, damit jedes Kind gleich weiß, dass es in der blauen, roten oder gelben Gruppe gelandet ist. Solche Gesichtspunkte sind nicht unwichtig, aber hierbei wird eine andere wichtige Gestaltungsmöglichkeit verschenkt.


Farbe und Funktion


Wird der Raum multifunktional benutzt, sollte man eine Farbe aussuchen, die möglichst allen Aktivitäten gerecht wird. In Zweifelsfällen und unter Zeitdruck bei der Planung ist die Farbe Weiß sicherlich die beste Lösung. Aber es lohnt, sich Zeit zu nehmen und sich mit der emotionalen Wirkung von Farben zu beschäftigen. Nachfolgend einige Tipps für die Farbauswahl:
    • Räume zum Ankommen: Der Eingang gilt als Visitenkarte. Meistens befindet sich in der Nähe des Eingangs die Garderobe. Besonders in Kindertagesstätten sollte hier bei der Gestaltung auf neutrale Farben Wert gelegt werden, da gerade die vielen Farben und Formen der Kinderkleidung ausreichend Abwechslung für das Auge bieten. Daher ist es auch ratsam, keine zu aufwendige Verzierung anzubringen.
    • Schlafraum: In einem Raum, der ausschließlich dem Schlafen dient, kann ein violetter Ton Geborgenheit vermitteln.
    • Räume für die Mahlzeiten: Orange soll in einem Essraum den Appetit anregen.
    • Bewegungsräume: Hier sollten Farben eingesetzt werden, die auch zur Bewegung motivieren. Eine grün gestaltete Wand kann in einem Kletterraum eine Verknüpfung zu Bäumen und Wald hervorrufen. In Räumen, in denen mit Bauklötzen gebaut wird, rät von der Beek zu erdfarbenen Farbtönen wie Terrakotta.
    • Räume mit mehreren Funktionen: wo gegessen, gebaut, gemalt, geruht (geschlafen) und gespielt wird, sind die Wahlmöglichkeiten dann erheblich eingeschränkt. Hier muss der Gestalter sich entscheiden, welcher Aspekt betont werden soll: der beruhigende oder der anregende.
    • Grundsätzlich gilt: Je kleiner der Raum, desto heller sollte er gestrichen werden. Ausnahmen bilden Räume, die z. B. als Höhle gestaltet werden sollen. Wenn ein Raum hell ist, kann es sinnvoll sein, ihn in einer kräftigeren Farbe zu streichen. In allen Räumen sollten die Decken weiß gestrichen werden, damit sie künstliches Licht besser reflektieren können. Auch in kleinen hohen Räumen ist es besser, die weiße Deckenfarbe in einem breiten Streifen ein Stück weit herunterzuholen, als die Decke dunkel zu streichen.
    • Von der Beek rät von zu aufwendigen Wandgestaltungen wie z.B. Schwammtechnik-Wandgemälden abGegen Wandgemälde spricht, dass man sie nicht leicht austauschen kann. Sie dominieren die Wand mit einem bestimmten Motiv, während sich die Kindergruppe längst weiterentwickelt hat.
    • Von der Verwendung eines mittleren Blaus und Rots in Kitas rät von der Beek generell ab. Erstgenanntes wirkt zu kalt, die andere Farbe ist besonders in Gruppenräumen zu dominant.
Beleuchtung, Material, Akustik


Neben der farblichen Gestaltung sind noch weitere Aspekte ausschlaggebend für die Raumwirkung:
Für den Boden sind strapazierfähige Industrieteppichböden vorteilhaft. Diese sind schallschluckend, leicht zu reinigen und antiallergisch. Auf diese Weise können die Kinder ohne Bedenken auf dem Boden spielen, darüber hinaus sorgt er für eine angenehme Raumstimmung. Nicht zu empfehlen sind Korkböden, da sie, obwohl schallschluckend, schneller verschleißen. Gute Erfahrungen hat von der Beek mit Linoleumbodenbelägen gemacht. Natürliches und künstliches Licht soll Orientierung bieten. Empfehlenswert sind z. B. Wandfluter und punktuelle Beleuchtung durch Lichtspots. Speziell in Räumen, die zum Spielen genutzt werden, wird es laut. Schutz vor Lärm schaffen Schallschutzdecken und schallschluckende Gardinen sowie möglichst offenporig gestaltete Wände. Vermieden werden sollte eine Lackierung, da durch die glatte Oberfläche der Schall nur noch verstärkt wird. Dem Schallschutz gibt die Diplom-Pädagogin hier Vorzug vor einer einfacheren Reinigung der Oberfläche. Auch Haptik ist ein wichtiges Thema bei der Kinderraumgestaltung. Dem natürlichen Reiz der Kinder, alles zu ertasten, ist nachzukommen. Unebene Oberflächen, hergestellt beispielsweise mit dem Baumwollputz Sajade, schaffen eine behagliche Raumatmosphäre. Alle verwendeten Baustoffe und Beschichtungen sollten auf die Eignung für diesen sensiblen Bereich geprüft sein.
Bild und Text: www.malerblatt.de

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